Schön Scharf

VGWort-Zählmarke

Cover "Schön Scharf"

Schön Scharf

Als Lina von ihrer besten Freundin erfährt, dass ihre große Jugendliebe Mario damals gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder ein böses Spiel mit ihr gespielt hat, kommt sie zu dem Schluss, dass er sterben muss. Aber ein guter Mord muss schon geplant sein.

Ihr könnt diesen Kurzkrimi als eBook und Hörbuch direkt bei mir erwerben.
Außerdem ist er auf allen gängigen Plattformen erhältlich. Zum Beispiel (aber nicht ausschließlich!) bei:

ameis Buchecke | genialokal.de | Amazon | Apple Books | Audible | buecher.de | eBook.de | Google Play | Hugendubel | Kobo (de / at) | Nook (Barnes & Noble) | Thalia (de / at) | Weltbild (de / at / ch)

Als Hörbuch erhältlich u.a. (aber nicht ausschließlich) bei:
Audible, BookBeat, Google Play

eBook sichern:

Leseprobe

Ich erinnere mich gut, wie Mario und Joscha meine Kindheit und Teile meiner Jugend mir gleichzeitig zum Himmel und zur Hölle machten. Wir haben Erdbeereis gegessen bis uns allen schlecht war. Wir haben im Winter im Park Iglus gebaut und im Frühjahr die ersten Krokusse gesucht. Wir haben viele schöne Dinge erlebt, aber die beiden haben mir auch böse Streiche gespielt. Das Hase-und-Igel-Spiel auf dem Fahrrad, bis ich vor Müdigkeit mit meinem kleinen grünen Kinderrad einfach umkippte. Ich habe mich geschämt, wenn ich nicht mithalten konnte. Ich habe fast eine Woche nur geheult nach diesem Fahrrad-Zwischenfall. Ich war ja auch der irrtümlichen Meinung, ich wäre nur mit Joscha um die Wette gefahren. Ich habe nicht einmal etwas geahnt, als mir mein Großvater die Geschichte vom Hasen und dem Igel vorgelesen hat. Ich bin immer auf sie hereingefallen. Und blöd wie ich war, fand ich die beiden trotz allem auch noch toll; hochgewachsen, dunkle Locken, braune Augen – im Doppelpack. Und weil es sich ja so gehört und die Eltern so stolz auf ihre Burschen waren, gab es natürlich auch Partnerlook. Zwillinge eben. Die Eltern konnten sie nicht einmal selbst auseinander halten – und dass sie ihre Pullover mit den liebevoll eingestickten Anfangsbuchstaben gelegentlich tauschten, erleichterte die Sache auch nicht wirklich.

Mit den Jahren dachte ich, ich hätte das Rätsel gelöst: Joscha der Draufgänger, der Tonangeber, der mit den wahnwitzigen Ideen und Mario der Träumer, der Sanfte, der sich von seinem Bruder nur allzu oft dominieren ließ. Und ein kleiner Leberfleck am Hals, der bei Mario ein Stückchen weiter vorne lag und dieser verträumte Blick, den man bei Joscha vergeblich sucht. Aber auf den ersten Blick brachte ich die Unterscheidung auch nie zusammen, nach ein paar Minuten Gespräch allerdings schon.

Als ich 15 war und die beiden 17, da war ich schrecklich verliebt in Mario – irgendwann muss es wohl so weit kommen, wenn man die gesamte Kindheit miteinander verbringt. Ich hatte mit Mario meinen ersten Kuss. Und mein erstes Mal. Bei dem Gedanken daran, läuft mir noch heute ein Schauer über den Rücken. Er war so zärtlich und dann so wild.

Ja, und dann kam der gestrige Abend mit meiner Freundin Jenny. Wir waren auf einen Cocktail in die Stadt gezogen und drei Mojitos nachdem wir es uns an einem kleinen Ecktisch in einer kaum größeren Bar gemütlich gemacht hatten, wurde Jenny so gesprächig wie selten.
„Wei'schu, i'chab Di'mmer beneide.“
„Hm?
„Na wegen de'Mario und dem Joscha.“
„Hm??“
„Du. Du hattest die bestaussehendsten Burschen der ganzen Schule.“
„Oh ja, der Mario …“ und ich geriet ins Träumen. Ja, der Mario … Und wie gut er gerochen hat. Ich wusste gar nicht, dass man auch nach fünfzehn Jahren noch einen Flashback haben konnte.
„Nee nee, der Joscha hat mir das doch erzählt, wie ihr gef…“
„Was?“
„Na, der Joscha.“
„Wann hast den denn getroffen und was hat er gesagt?“
„Na, dass ihr damals im Bett wart, der Mario, der Joscha und Du.“

Ich war sprachlos.
„So'n Blödsinn.“
„Oh ja. Das hat er gesagt. Grad letzte Woche. Und, dass Du das anfangs gar nicht mitgekriegt hättest.“
Was hieß hier anfangs? „Wie bitte?“

Plötzlich war ich wieder ganz nüchtern und lauschte angestrengt auf Jennys leiser werdendes Nuscheln.
„Naja, er sagte, Du hättest das erst nicht gewusst, aber dann wärst Du voll drauf eingestiegen.“
„Und Du hast fünfzehn Jahre und drei Mojitos gebraucht, um mir das zu sagen???“ Ok, das war unfair. Eine Woche und drei Mojitos, aber was soll's. Ich war empört und musste an die frische Luft. Ich ließ Jenny dort sitzen, knallte einen Zwanziger auf den Tisch und beruhigte mich erst, als ich zu Fuß vor meiner Haustür im 8. Bezirk zum Stehen kam und auf die Suche nach meinem Schlüsselbund ging.

Tags

 #Gift #Wien #Krimi #Kochen #Kurzgeschichte

Mehr Wiener Krimis

  •  

    "Versöhnung": Ein Wiener Kaffeehaus-Mord

  •  

    "Rosen": Meine allererste Krimigeschichte

Mehr Kurzgeschichten

  •  

    "Leer": Ein Kurzkrimi aus dem viktorianischen London

  •  

    "Coffee Leaks" in Kaffee. Mokka. Tot.